Bevor 1926 die Staatliche Bernstein-Manufaktur Ostpreußen (SBM) die Königsberger Bernstein-Industrie unter staatliches Dach zog, gab es drei volle Jahrhunderte einer freieren, zünftischen Werkstatt-Tradition. Sie beginnt um 1640 mit der Konsolidierung des Bernstein-Regals unter dem Großen Kurfürsten, sie endet um 1920 mit der Vorbereitung der Verstaatlichung. Dazwischen liegen rund 280 Jahre Hofkunst, Bernsteindreher-Privilegien, bürgerlicher Trachtschmuck und ein industrieller Schluss-Akkord unter Stantien & Becker.
Diese Seite ordnet diese vor-staatliche Königsberger Tradition in vier Epochen. Sie ist die Schwester-Darstellung zur SBM-Seite — und gleichzeitig der Boden, auf dem die SBM-Designer Brachert, Holschuh, Koy und Reichert ab 1926 weiterbauten. Wer SBM-Stücke verstehen will, muss die Königsberger Bernsteinmeister kennen, die ihnen vorausgingen.
Wir bewerten ausschließlich baltischen Bernstein (Succinit). Dominikanischer, burmesischer, mexikanischer oder Sumatra-Bernstein gehört nicht in dieses historische Bild — die Königsberger Werkstätten haben ausschließlich samländisches Material verarbeitet. Marcel Querl arbeitet seit 2012 mit baltischem Bernstein, berät und vermittelt deutschlandweit per Foto-Service.