Bernsteinmobil Preise-Übersicht
Marktpreis-Tabellen 2026

Bernstein-Preis pro Gramm — was baltischer Succinit aktuell kostet.

Die definitive Preisübersicht für 1 g baltischen Bernstein: Rohmaterial von 0,10 €/g bis 10 €/g, antike SBM-Ketten 5–30 €/g. Aufgeschlüsselt nach Qualitätsstufe, Gewichtsklasse und Provenienz. Recherchierbar, ohne Anfrage.

Bekannt aus

Diese Seite ist das definitive Nachschlagewerk für die Frage „Was kostet 1 Gramm Bernstein?" — bezogen ausschließlich auf baltischen Succinit, also den klassischen Ostsee-Bernstein aus Deutschland, Polen, Dänemark, Litauen und dem Samland. Sie finden hier zwei vollständige Preistabellen, die Markt-Mechanik dahinter, die Faktoren die Preise multiplizieren oder drücken — und eine ehrliche Einordnung dazu, was Strandbernstein realistisch bringt.

Was diese Seite nicht leistet: Wir bewerten keinen dominikanischen Bernstein (Hispaniola, Karibik), keinen burmesischen Burmit (Myanmar, kreidezeitlich), keinen mexikanischen Chiapas-Bernstein und keinen sumatraischen Bernstein. Diese Sorten folgen anderen Marktstrukturen, haben andere chemische Zusammensetzungen und werden über spezialisierte Karibik- bzw. Asien-Händler gehandelt. Alles im Folgenden gilt für baltischen Bernstein mit 3–8 % Bernsteinsäure-Anteil.

Wie Bernstein-Preise pro Gramm zustande kommen.

Der Bernsteinmarkt ist kein Katalog mit fixen Listenpreisen. Er ist ein internationaler Handelsmarkt mit vier großen Knoten: Polen (Gdańsk, weltweit größter Verarbeitungs-Standort, polnische Bernsteinkammer reguliert), Litauen (Klaipėda, Palanga, traditionelle Bernsteinkunst), China (Hauptabnehmer für hochpreisigen opaken Rohbernstein seit 2010) und Deutschland (historischer Markt für SBM-Provenienz und Sammler-Schmuck). Wer den Preis verstehen will, muss verstehen, wo das Material physisch hinfließt.

Saisonalität spielt eine größere Rolle als viele Verkäufer ahnen. Nach starken Herbst- und Winterstürmen an der polnischen, dänischen oder deutschen Ostseeküste schwappt regelmäßig Strandbernstein in den Markt — die Preise pro Gramm für Kleinstmaterial sinken dann kurzfristig. Umgekehrt ziehen die Spitzenpreise für Sammler-Qualität ohne erkennbares Saisonmuster an, weil sie an Auktionsgeschehen und asiatischer Nachfrage hängen.

Seit 2010 ist die strukturelle Markt-Veränderung der Asien-Boom. Chinesische Sammler kaufen vorrangig natürlich milchig-opaken und butterscotchfarbenen Bernstein — symbolisch für Reife, Beständigkeit und Wärme. Arabische Käufer nehmen besonders honig- und cognacfarbene transparente Stücke für Tasbih-Gebetsketten. Diese beiden Märkte bestimmen heute die Spitzenpreise. Der europäische Markt folgt — er setzt sie nicht.

Preis-Treiber sind: dokumentierte Provenienz (SBM, Fischland, Bückeburger Trachten), Einzelgewicht über 50 g, Rissfreiheit, Inkluse mit identifizierbarer Spezies, Originalität bei antiken Stücken. Preis-Drücker sind: Autoklav-Behandlung, Risse, fehlende Provenienz, moderne Restaurierung, industrielle Massenware-Indizien. Seit 2012, als Marcel begann den Markt systematisch zu beobachten, hat sich die Spreizung deutlich vergrößert: das untere Ende ist stabil geblieben, die Spitze hat sich teils verdoppelt.

Eine historische Notiz: Vor dem Asien-Boom lag der Standard-Rohbernstein-Preis in Europa relativ einheitlich bei 1–3 €/g. Heute reicht das Spektrum von 10 Cent/g (Bruch, Splitter) bis 30 €/g (weißmarmorierte SBM-Spitzenketten). Wer eine pauschale Antwort auf „Was kostet 1 g Bernstein?" sucht, wird enttäuscht — präzise wird die Antwort erst nach Kategorie.

Eine weitere strukturelle Beobachtung: Die Preisbildung in Polen ist heute der primäre Referenzpunkt für europäische Märkte. Die Verarbeitungs-Cluster rund um Gdańsk setzen über Großhandelsmengen, Verarbeitungstiefe und Direktabsatz nach China die Preise faktisch fest. Was an deutschen Auktionen oder im Sammlerhandel als „Marktpreis" zirkuliert, ist meistens eine zeitversetzte Ableitung der polnischen Großhandelsnotierungen — mit Aufschlag für Sammler-Provenienz und Vermittlungs-Marge. Wer Preise vergleicht, sollte deshalb immer fragen: Großhandel oder Sammler-Direkt?

Ein letzter Vorab-Hinweis zur Methodik: Alle Preisangaben dieser Seite sind Spannen, keine Punktwerte. Die untere Grenze trifft auf typische Stücke der Kategorie zu, die obere Grenze auf Spitzenexemplare innerhalb der Kategorie. Wer ein konkretes eigenes Stück einordnen möchte, sollte zunächst Material und Erhalt prüfen, dann die richtige Tabellenzeile auswählen — und dort bewusst zwischen Unter- und Obergrenze entscheiden. Pauschalbewertungen aus dem Bauch heraus führen bei Bernstein regelmäßig zu Fehlschätzungen in beide Richtungen.

Haupt-Tabelle 1

Rohbernstein-Preise nach Qualitätsstufe.

Baltischer Rohbernstein, unbehandelt. Spalten: Qualitätsstufe, Beschreibung, Gewichtsklasse, Preisspanne pro Gramm, Marktnachfrage, typische Käufergruppen. Die Spitze gilt ausschließlich für rissfreie, klare oder weißmarmorierte Spitzen-Stücke mit Provenienz oder Inkluse.

QualitätsstufeBeschreibungGewichtsklassePreis pro GrammMarktnachfrageTypische Käufer
Bruch & Splitter Kleinteilig, rissig, oft trüb, Industrieware < 5 g 0,10–0,40 € Niedrig Schmuckverarbeiter, Pulver-Industrie
Standard kleinteilig Kleine Brocken, brauchbare Klarheit 5–20 g 0,50–1,50 € Mittel Polen-Verarbeitung, Hobby-Sammler
Standard mittel Mittlere Brocken, gemischte Klarheit 20–50 g 1,50–3,00 € Mittel Schmuck-Manufakturen, Beginner-Sammler
Sammler klein klar Rissfrei, klar oder definiert opak 50–80 g 2,50–5,00 € Hoch Sammler EU, Asien-Eingang
Sammler mittel klar Rissfrei, definierte Farbe, charaktervoll 80–150 g 3,50–6,50 € Hoch Etablierte Sammler, asiatischer Handel
Sammler groß klar Großformat, rissfrei, museumstauglich 150–300 g 5,00–8,00 € Sehr hoch Spitzen-Sammler, Museen, Asien
Außergewöhnlich Spitze 300+ g rissfrei, weißmarmoriert/butterscotch 300+ g 6,00–10,00 € Spitze des Marktes Internationale Auktionen, Museen
Inkluse mit Insekt Identifizierbare Spezies, klar eingebettet Egal 5,00–10,00 €+ Sehr hoch Paläoentomologen, Sammler, Museen

Die Spitze bei 10 €/g ist das absolute Maximum für baltischen Rohbernstein und vorbehalten Stücken mit kombinierten Qualitätsmerkmalen: Großformat, Rissfreiheit, Spitzenfarbe und idealerweise dokumentierte Fundstelle. Inkluse-Stücke mit identifizierbarer Spezies (insbesondere selten erhaltene Wirbeltiere oder vollständige Insekten) können diese Marke deutlich überschreiten — hier wird Bernstein zur paläontologischen Quelle und Preise werden individuell ausgehandelt.

Haupt-Tabelle 2

Antike SBM und Sammler-Schmuck pro Gramm.

Stücke der Staatlichen Bernstein-Manufaktur Ostpreußen (SBM, vor 1945), Fischland-Schmuck der Werkstatt Georg Kramer und ostpreußische / norddeutsche Trachten-Stücke. Bei diesen Kategorien führt Provenienz die Bewertung — Gewicht ist sekundär.

KategorieMaterial / SchliffPreis pro GrammBemerkung
SBM-Olivenkette gelblich StandardKlar bis halbklar, mittlere Olive, gelblich5–10 €Häufigste SBM-Kategorie
SBM-Olivenkette weißmarmoriertMarmorierung weiß auf honig, Olive15–25 €Asiat. Spitzennachfrage
SBM-Kugelkette milchigCremig-opak, mittlere bis große Kugel8–18 €China-Markt sucht das gezielt
SBM-Königsberger SchliffFacettiert handgeschliffen, transparent12–22 €Selten, handwerklich anspruchsvoll
SBM-Brosche Hermann BrachertDesigner-zugeordnet, OriginalfassungStück-PreisDesigner-Provenienz entscheidet
SBM-Anhänger SolitärEinzelstück, gefasst, vor 194510–20 €Originalverschluss zählt
Fischland-Stück (Kramer) SilberSilber+Bernstein, Originalfassung <1945Stück-PreisVermittlungs-Sache, Sammlermarkt
Bückeburger Trachtkette komplettMehrreihig, Originalverschluss, regionalStück-PreisProvenienz dominiert
Königsberger Werkstatt 18. Jh.Vor-SBM-Material, museums-relevantStück-PreisAuktions-Ware, individuell
Autoklavierter KonsumschmuckKlar mit Fischschuppen-Effekt1–3 €Dekorativ, kein Sammler-Markt

Die Stück-Preise bei Fischland, Bückeburger und Königsberger Werkstatt sind nicht zufällig leer gelassen: Bei diesen Kategorien wäre eine pauschale Gramm-Angabe irreführend. Eine vollständig erhaltene Bückeburger Trachtkette mit dokumentierter Familien-Provenienz kann das Drei- bis Fünffache derselben Kette ohne Geschichte erzielen. Die Bewertung erfolgt am konkreten Stück, mit Foto und Recherche zur Werkstatt.

Was den Preis multipliziert.

Fünf Faktoren können den Gramm-Preis verdoppeln, verdreifachen oder bei Inkluse-Spitzenstücken sogar verzehnfachen. Sie wirken zusätzlich zur Grundbewertung über die Tabellen oben.

1. Dokumentierte Provenienz

Eine SBM-Olivenkette, deren Vorbesitz in einer ostpreußischen Familienlinie nachweisbar ist, wird vom Sammlermarkt anders bewertet als dieselbe Kette aus einem anonymen Flohmarkt-Fund. Briefe, Familienfotos mit dem Stück, Erb-Dokumente oder eine alte Ankaufs-Rechnung sind Gold wert. Bei Fischland-Schmuck zählt die nachvollziehbare Zuordnung zur Werkstatt Kramer in Wustrow oder Ahrenshoop. Bei Bückeburger Trachten zählt die Region und die Vollständigkeit der Trachten-Kombination.

2. Material-Qualität (Farbreihenfolge)

Die aktuelle Farb-Hierarchie auf dem internationalen Markt sieht so aus: weißmarmoriert > butterscotch / halbmilchig > milchig opak > cognac > honig > gelblich > klar transparent. Diese Reihenfolge ist asiatisch getrieben und hat den traditionell europäischen Hang zum klaren Bernstein abgelöst. Klares Material ist heute nicht mehr Spitzenklasse.

3. Original-Zustand (Verschluss, Fassung)

Antike Ketten und Anhänger werden mit Originalverschluss / Originalfassung deutlich höher gehandelt. Ein moderner Karabiner-Verschluss an einer SBM-Kette aus den 1930er-Jahren reduziert den Sammlerwert spürbar. Bei Fischland-Schmuck ist die originale Silberfassung Pflicht — ohne sie verliert das Stück seinen Werkstatt-Charakter.

4. Insekten-Inkluse mit identifizierbarer Spezies

Bernstein mit gut erhaltenem, identifizierbarem Insekten-Einschluss erzielt Preise jenseits der Tabelle. Wichtig: identifizierbar bedeutet, dass ein Paläoentomologe die Spezies bestimmen kann. Bruchstücke, halb-zersetzte Spinnen oder unklare Schatten erreichen diese Preise nicht. Vollständige Insekten in klarer Einbettung, idealerweise in mittlerer bis großer Größe, sind das Top-Segment — hier bewegen sich Preise im Bereich von Auktionsergebnissen, nicht in Tabellen.

5. Sammler-Schule (Designer-Zuordnung)

Innerhalb der SBM gibt es Designer-Zuordnungen (z. B. Hermann Brachert, Jan Holschuh) und Werkstatt-Zuordnungen (Fischland, Bückeburg, Königsberger Werkstätten), die einzelne Stücke aus der Standardware herausheben. Diese Zuordnungen erfordern Recherche und sind Sache des spezialisierten Vermittlers — sie können den Gramm-Preis vervielfachen.

Was den Preis drückt.

Spiegelbildlich gibt es Faktoren, die selbst Spitzenmaterial auf Konsum-Niveau zurückwerfen. Wer verkauft, sollte sie kennen — sie sind oft nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Autoklav-Spuren (Fischschuppen-Effekt)

Hitze-Druck-behandelter Bernstein zeigt charakteristische runde, sich überlappende Strukturen im Inneren — den sogenannten Fischschuppen-Effekt. Dieser ist optisch reizvoll und wurde besonders zwischen 1960 und 1990 industriell erzeugt. Auf dem asiatischen Markt ist dieses Material aktuell unverkäuflich; auf dem europäischen Markt liegt es auf reinem Dekorationsniveau bei 1–3 €/g.

Risse, Bruchstellen, Abplatzungen

Materialdefekte reduzieren den Preis abrupt. Ein klarer Sammlerstein mit feinem Riss durch die Mitte verliert oft die Hälfte seines Wertes — bei großen Stücken auch mehr. Risse können nicht restauriert werden, ohne den Stein zu schneiden und zu verkleinern.

Restaurierungen mit modernem Material

Antike Ketten, bei denen einzelne Perlen mit modernem (autoklaviertem oder gepresstem) Bernstein ergänzt wurden, verlieren ihren Sammler-Charakter. Das ist auch dann der Fall, wenn die Restaurierung optisch gut gelungen ist — der Sammlermarkt bewertet die Originalsubstanz, nicht das Erscheinungsbild.

Verschluss / Fassung nicht original

Wie oben erwähnt — ein moderner Verschluss an einer historischen Kette ist ein deutlicher Preisdrücker. Auch wenn das Stück sonst original ist, signalisiert der falsche Verschluss „nachträglich angepasst" und reduziert die Sammlerprämie.

Fehlende oder unklare Provenienz

„Aus dem Nachlass meiner Großmutter" ist keine Provenienz. Ohne dokumentierte Linie — Briefe, Fotos, Erb-Papiere, Ankaufs-Belege — wird selbst ein objektiv hochwertiges Stück auf das Material-Niveau zurückgesetzt. Provenienz lässt sich nicht nachträglich erfinden; sie ist da oder nicht da.

Industrielle Massenware-Indizien

Maschinengeschliffene, perfekt gleichmäßige Kugeln; identische Verschlüsse in großer Stückzahl; Rückseiten mit Werkzeug-Spuren neueren Datums — das sind Indizien für späte Produktion, oft 1970er–1990er Polen. Solches Material wird nicht als Sammlerstück gehandelt.

Realismus für Hobby-Sammler

Strandbernstein und Eigenfunde.

Was an deutschen, polnischen und dänischen Küsten aufgesammelt wird — und was es realistisch bringt. Die Lücke zwischen Sammler-Wert und Handels-Wert ist groß.

An der deutschen Ostseeküste — von Usedom über Rügen bis Fehmarn und der schleswig-holsteinischen Küste — werden jedes Jahr nach Stürmen Bernsteinstücke gefunden. Typische Größen liegen zwischen 1 und 20 g; alles darüber ist die Ausnahme, alles über 50 g aus dem Strandfund ein seltenes Glück. Die polnische Küste rund um Gdańsk und die dänische Westküste (Jütland) liefern in vergleichbaren Größenordnungen.

Die realistische Preisspanne für Strandgut liegt bei 0,10–2 €/g. Der untere Wert gilt für kleines, rissiges, halbtransparentes Material; der obere Wert für rissfreie, größere Stücke (15–20 g) mit definierter Farbe. Die häufig kursierende Vorstellung, jedes aufgesammelte Stück sei „mehrere Euro pro Gramm" wert, hält der Marktrealität nicht stand.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Sammler-Wert und Handels-Wert. Ein selbst gefundenes Stück hat emotionalen Wert — die Erinnerung an den Sturm, den Strandspaziergang, den glücklichen Moment. Dieser Wert ist real, aber er ist nicht handelbar. Im Handel zählt nur, was die Tabelle hergibt: Material, Größe, Klarheit, Farbe.

Der Mythos vom „Strandgold" stammt aus den frühen Bernstein-Marketingphasen des 20. Jahrhunderts und wurde durch Reiseliteratur und Tourismus-Broschüren am Leben gehalten. Was wahr ist: Bernstein ist organisches Material, fossiles Harz, mit besonderer Lichtwirkung und kulturhistorischer Bedeutung. Was Marketing ist: dass jedes Stück ein kleines Vermögen wert sei. Die 10 €/g-Spitze ist absolute Ausnahme — Strandgut erreicht diese Spitze praktisch nie.

Kern-Erkenntnis

Etwa 95 % des aufgesammelten Strandbernsteins liegt im Bereich 0,10–2 €/g — die Spitze bei 10 €/g sind absolute Ausnahmen, vorbehalten rissfreien Großstücken mit Sammler-Qualität. Wer mit Strand-Funden den Lebensunterhalt bestreiten will, rechnet schief.

Privatverkauf vs. Handel.

Die Tabellen oben zeigen Handelspreise — also Preise, die zwischen Spezialisten, im internationalen Bernstein-Handel oder zwischen erfahrenen Sammlern erzielt werden. Privatverkäufer erreichen diese Preise typisch nicht direkt. Der Privatverkauf liegt erfahrungsgemäß 30–50 % unter dem Handelspreis.

Warum diese Differenz? Drei strukturelle Gründe: Erstens trägt die Käuferseite Risiko — bei einem Privatkauf besteht keine Gewähr für Echtheit, Provenienz und Zustand. Zweitens fällt Logistik an: Versand, Versicherung, Begutachtung beim Käufer. Drittens braucht die Käuferseite Marge, um das Stück weiterzuverkaufen — andernfalls wäre der Ankauf wirtschaftlich nicht darstellbar.

Wann ist Selbstverkauf sinnvoll? Wenn Sie selbst Sammler sind, einen direkten Käufer kennen und das Stück bewerten können. Bei Standardware (autoklavierter Bernstein, Massenschmuck, kleinteiliges Strandgut) ist Selbstverkauf über lokale Plattformen oft die einzige sinnvolle Route — der Vermittlungs-Aufwand würde den Erlös aufzehren.

Wann ist Vermittlung sinnvoll? Bei Sammler-Stücken mit Provenienz, antiken SBM-Ketten, Fischland-Schmuck, Bückeburger Trachten oder größerem Rohbernstein mit Spitzen-Qualität. Hier zahlt sich Recherche, Käufer-Vermittlung und Marktkenntnis aus — der Differenzbetrag zur Privat-Variante ist meistens deutlich höher als die Vermittlungs-Marge.

Ein praktisches Rechenbeispiel: Eine SBM-Olivenkette mit 60 g Bernsteinanteil, weißmarmoriert, Originalverschluss, plausible ostpreußische Familien-Provenienz. Tabellen-Spitze für diese Kategorie: 15–25 €/g. Bei Privatverkauf über lokale Plattformen erreicht man erfahrungsgemäß 40–60 % des Handelswerts — also etwa 6–15 €/g, in Summe 360–900 €. Bei sammlerorientierter Vermittlung mit Recherche zur Provenienz und gezielter Käuferansprache ist die Spanne 900–1.500 € realistisch. Die Differenz übersteigt deutlich jede plausible Vermittlungs-Marge — deshalb lohnt sich die Vermittlung in dieser Kategorie systematisch.

Für Standardware kippt die Rechnung. Autoklavierter Konsumschmuck aus den 1970er- bis 1990er-Jahren — typische Tabellen-Spanne 1–3 €/g, eine 30-g-Kette liegt also bei 30–90 € Endpreis. Hier zehrt jede Vermittlungs-Logistik den Erlös auf. Für diese Kategorie ist der Privatverkauf über Kleinanzeigen-Plattformen die einzige sinnvolle Route — mit der ehrlichen Erwartung, dass „Bernsteinkette" im Inserat nicht automatisch dreistellige Beträge bedeutet.

Ein Preis pro Gramm ist nie eine Behauptung — er ist eine Hypothese, die das Stück selbst bestätigen muss.
Marcel Querl · Bernsteinexperte seit 2012
Häufig gestellte Fragen

FAQ Bernstein-Preis pro Gramm.

Die sechs am häufigsten gesuchten Fragen rund um den Gramm-Preis baltischen Bernsteins — kompakt beantwortet.

Was ist mein Bernstein wert?

Das hängt von vier Faktoren ab: Material (echt baltischer Succinit oder Imitat?), Gewicht in Gramm, Qualitätsstufe (siehe Rohbernstein-Tabelle oben) und Provenienz bei antiken Stücken. Wiegen Sie das Stück, ordnen Sie es in die Tabelle ein, ziehen Sie 30–50 % für Privatverkauf ab — das ist die realistische Größenordnung.

Wie viel kostet 1 Gramm Bernstein?

Für baltischen Rohbernstein: zwischen 0,10 €/g (Bruch, Splitter) und 10 €/g (Spitzen-Rohstein mit Inkluse oder Spitzen-Qualität). Für antike SBM-Ketten: zwischen 5 €/g (Standard) und 30 €/g (weißmarmorierte Spitze). Eine pauschale Antwort ist nicht möglich — die Bandbreite ist Faktor 100.

Lohnt sich der Verkauf von Strandbernstein?

Bei Standard-Strandfunden (1–20 g, gemischte Qualität) ergibt sich rein rechnerisch ein Betrag im einstelligen Euro-Bereich pro Stück. Der Vermittlungs-Aufwand übersteigt oft den Erlös. Strandbernstein ist primär eine Sammler-Sache — der monetäre Wert ist gering, der erinnerungs-Wert kann groß sein. Größere rissfreie Strandfunde (50+ g) sind die seltene Ausnahme.

Was kostet 1 g SBM-Bernstein?

Stücke der Staatlichen Bernstein-Manufaktur Ostpreußen (vor 1945) liegen je nach Schliff, Farbe und Erhalt zwischen 5 €/g (Standard-Olivenkette gelblich) und 25–30 €/g (weißmarmorierte Spitzenkette). Mit Originalfassung und dokumentierter Provenienz kann auch dieser Wert überschritten werden.

Welcher Bernstein hat den höchsten Preis pro Gramm?

Drei Kategorien: erstens weißmarmorierte SBM-Spitzen-Ketten mit Originalfassung und Provenienz; zweitens Inkluse-Spitzen-Stücke mit identifizierbarer Spezies (oft jenseits der Tabellen-Spitze); drittens Designer-zugeordnete SBM-Stücke (Brachert, Holschuh) und Fischland-Schmuck der Werkstatt Kramer. Klarer transparenter Bernstein gehört nicht mehr zur Preisspitze.

Warum ist butterscotch teurer als klarer Bernstein?

Weil der asiatische Markt seit 2010 opaken, milchigen und butterscotchfarbenen Bernstein bevorzugt — symbolisch für Reife und Wärme. Klare transparente Stücke, traditionell europäisches Ideal, werden in China und im arabischen Raum deutlich niedriger gehandelt. Da Asien die Spitzenpreise setzt, hat sich die Hierarchie verschoben.

Belegbasis

Quellen & Weiterführendes.

Die Marktpreise dieser Seite stützen sich auf folgende Quellen — internationale Handelsstatistiken, Auktions-Protokolle, Museums-Bewertungsstandards und fachliterarische Werke.

  • International Amber Trade Statistics — laufende Marktbeobachtung des internationalen Bernstein-Handels, Schwerpunkt Polen / Litauen / China.
  • Polish Amber Chamber of Commerce (Krajowa Izba Gospodarcza Bursztynu) — Marktreports und Preis-Indikatoren aus Gdańsk, weltweit zentraler Verarbeitungs-Standort.
  • Sotheby's / Christie's Auktionsprotokolle — historische Lots mit baltischem Bernstein, SBM-Provenienz und Inkluse-Spitzenstücken; öffentliche Hammerpreise als Markt-Referenz.
  • Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten — Marktanalysen und Provenienz-Recherche, Sammlung Fischland-Schmuck und SBM.
  • Deutsches Schmuckmuseum Pforzheim — Bewertungs-Standards für historischen Schmuck, methodische Grundlagen der Provenienz-Bewertung.
  • Reinhardt, P. — „Bernstein. Tränen der Götter" — fachliterarische Referenz zur Material-Klassifikation und kulturhistorischen Einordnung.
  • Bernstein-Hochschultexte zur Marktentwicklung — Universität Göttingen und Universität Gdańsk: Aufsätze zur strukturellen Marktveränderung seit 2010 (Asien-Boom).
  • Marktbeobachtung Marcel Querl seit 2012 — eigene laufende Notizen aus Vermittlung, Sammler-Kontakten und Auktionsbesuchen, Schwerpunkt baltischer Sammler-Schmuck.
Verfasst von Marcel Querl

Bernsteinexperte seit 2012. Berater für Presse und Museen, passionierter Sammler ausschließlich baltischen Bernsteins. Bekannt aus NDR-Nordstory, SPIEGEL TV, WELT, BILD und WirtschaftsWoche.

Bernstein seit 2012 Bekannt aus dem TV Baltischer Succinit
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