Wenn ein Nachlass aufgelöst wird, taucht Bernstein selten als Schmuck auf, aber sehr oft als Zigarettenspitze oder Pfeifenmundstück. Über Jahrzehnte gehörte beides zur Grundausstattung des gehobenen Haushalts: die schlanke Spitze der Dame im Etui, das lange Mundstück der Meerschaumpfeife des Herrn. Genau deshalb landen diese Stücke heute massenhaft auf dem Sammler- und Trödelmarkt, und genau deshalb gibt es kaum eine Objektgruppe, bei der so viel falsch zugeordnet wird.
Das Kernproblem lautet: Nicht jede „Bernstein“-Spitze ist Bernstein. Ein großer Teil der rötlichen Stücke ist Pressbernstein (echtes, aber zusammengeschmolzenes Material) oder gar Kunstharz, das unter dem schönen Handelsnamen „Cherry Amber“ läuft und mit Bernstein nichts zu tun hat. Wer ein geerbtes Stück realistisch einordnen will, muss diese drei Welten auseinanderhalten: Naturbernstein, Pressbernstein und Imitat.
Dieser Artikel sortiert das Feld: die Geschichte und warum gerade Bernstein zum Mundstück-Material wurde, der osmanische Markt mit seinem hartnäckigen Hygiene-Glauben, die große Faturan- und Bakelit-Falle, die praktischen Echtheitstests am fertigen Mundstück und schließlich Wert und Pflege.