Krantzit ist eines jener fossilen Harze, die in jeder mineralogischen Bernstein-Übersicht auftauchen, obwohl sie mit dem baltischen Material nur die familiäre Verwandtschaft teilen. Es handelt sich um ein weiches, gelbes bis honigfarbenes Harz aus mitteldeutschen Braunkohle-Lagerstätten, vor allem aus dem Geiseltal, dem Halleschen Revier und der Bitterfelder Gegend. Mit Bernsteinsäure ist Krantzit nicht angereichert, mit dem samländischen Succinit chemisch nicht identisch — aber äußerlich so ähnlich, dass die Unterscheidung im 19. Jahrhundert lange unklar blieb.
Wer war August Krantz?
Krantz, geboren 1808 in Königswinter am Rhein, war einer der einflussreichsten deutschen Mineralien-Händler des 19. Jahrhunderts. Sein Bonner Comptoir belieferte ab den 1830er Jahren Universitäten, Museen und Privatsammler in ganz Europa mit Mineralien- und Fossilien-Belegen. Krantz prägte das deutsche Sammler-System: standardisierte Etiketten, systematische Schubladen-Kästen, ein gedruckter Katalog. Sein Geschäft existiert in Bonn unter dem Namen F. Krantz Rheinisches Mineralien-Kontor bis heute.
Die Benennung „Krantzit" für das mitteldeutsche Harz erfolgte 1854 durch Bernhard Heinrich Hausmann zu Ehren des Bonner Händlers. Es war eine kollegiale Geste innerhalb des damaligen Mineralien-Netzwerks — eine Ehrung, die wenig über die wissenschaftliche Tiefe des benannten Materials sagt, dafür aber viel über die soziale Struktur der zeitgenössischen Naturkunde.
Materialeigenschaften im Vergleich.
Krantzit ist sehr weich (Mohshärte um 1,0–1,5), lässt sich mit dem Fingernagel kratzen und zerbricht in der Hand spröde-bröselig. Die Dichte liegt bei etwa 1,02–1,04 g/cm³. Anders als baltischer Bernstein zeigt Krantzit keinen nennenswerten Bernsteinsäure-Anteil (siehe Bernsteinsäure); die Infrarot-Spektren unterscheiden sich deutlich von Succinit. Sammlerisch ist Krantzit weniger gefragt als der baltische Bernstein, sammlungs-systematisch aber wichtig, weil es zeigt, dass im mitteleozänen Europa unterschiedliche Harz-Quellen aktiv waren.
Im Sammlermarkt taucht Krantzit fast nur als wissenschaftliches Belegstück auf, nicht als Schmuck. Die Weichheit verhindert jeden ernsthaften Schliff — Krantzit-Cabochons wären nach wenigen Wochen verkratzt. Sammler erwerben Krantzit-Stufen mit Bitterfelder oder Halle-Provenienz vor allem, um die Bernstein-Familie systematisch abzubilden.
Bezug zu Bernsteinmobil.
Für Marcels Schmuck-Bewertungen ist Krantzit kein Thema. Schmuck aus dem deutschen Erbe-Kontext besteht aus baltischem Succinit, nicht aus mitteldeutschem Braunkohle-Harz. Relevant wird Krantzit höchstens dann, wenn ein Erbe mineralogische Studien-Sammlungen aus dem mitteldeutschen Raum besitzt — etwa aus dem ehemaligen Bergamts-Bestand Bitterfeld oder aus universitären Lehr-Sammlungen Halle. Solche Bestände gehören in Museen oder zu spezialisierten Mineralien-Auktionen.
Wichtige Abgrenzung im Vorbeigehen: Krantzit hat nichts mit Bitterfelder Bernstein zu tun, dem heute kommerziell verarbeiteten mitteldeutschen Material. Bitterfelder Bernstein ist tatsächlich eine Succinit-Variante mit Bernsteinsäure-Anteil und vermutlich umgelagertem baltischen Ursprung. Krantzit dagegen ist eine eigenständige mitteldeutsche Harz-Spezies mit anderer Chemie.
Quellen & weiterführende Literatur.
- Hausmann, B. H.: Handbuch der Mineralogie. Göttingen 1854.
- Krumbiegel, G. & Krumbiegel, B.: Bernstein — Fossile Harze aus aller Welt. Goldschneck-Verlag, Wiebelsheim.
- Fuhrmann, R.: Atlas der Bitterfelder Bernsteininklusen. Halle 2005.
- Kosmowska-Ceranowicz, B.: Atlas. Infrared Spectra of the World's Resins. Warszawa 2015.